Animatorin spricht über die Probleme der Branche

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Überarbeitung und Überproduktion sind Hauptproblem in der Anime-Industrie. Animatorin Joan Chung geht nun näher drauf ein.

In einem Interview schildert Chung, wie die übergreifenden Probleme auf ihre Erfahrungen bei Science SARU. Die aus Kanada stammende Animatorin war von 2019-2021 für das Studio tätig.

Sie erklärt, dass sie die Studiokultur vor der Pandemie sehr lebendig und kommunikativ war. Obwohl sie kein Japanisch konnte, fühlte sie sich willkommen. Ihre Kollegen unterstützten sie und waren freundlich. So brachte einer ihr in der Pause das Skateboardfahren bei:

Ich war immer wieder von der Fähigkeit meiner Kollegen beindruckt, herumzuspielen und gleichzeitig unter einem halsbrecherischen Zeitplan den Kopf oben zu behalten. Diese Art von Arbeitsethik habe ich in einem westlichen Studio noch nie erlebt.

Science SARU ist für seine internationale Arbeitskraft bekannt. Die heutige Geschäftsführerin Eunyoung Choi bot Mitarbeitern einen wöchentlichen Japanisch-Kurs an und stellte einen Dolmetscher ein, der die Meetings übersetzt.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten: 

Ich habe einige Horrorgeschichten aus dem Studio gehölrt, von denen es zum Glück weniger gibt als bei einigen Konkurrenten von SARU. Aber – und das ist ein wichtiger Punkt für mich – ein Studio sollte keine zwanzigjährigen Angestellten haben, die auf der Toilette weinen und die Nacht durchmachen.

Ebenso wenig sollte es einen Produktionsplan geben, der so eng ist, dass man keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit der Produktionsleiterin nehmen kann. Ich musste in ihrem Namen mit ihrem Vorgesetzten und dem CEO sprechen – und obwohl sie mitfühlend reagierten, konnten sie nicht viel ändern. Eine Kultur mit so viel Produktionsdruck machte die langen Arbeitszeiten unumgänglich.

Das Problem liegt nicht im Workflow. Sie beschreibt Abel Góngora als einen fähigen Animator. Vielmehr hat sich das Studio durch die Arbeit an zu vielen Produktionen verzettelt. Dies sorgt für eine größere Belastung.

Auch die schlechte Bezahlung gehört zu den Problemen. Diese hat ihre Wurzeln in Japan und der Geschichte. In den 1960er Jahren hat Studio Mushi Production ein System festglegt: Bezahlung pro Bild.

Obwohl die Arbeit komplexer geworden ist, stiegen die Tarife nur geringfügig. Im Durchschnitt liegt das Einstiegsgehalt bei 68.661$ (ca. 58.194€). In Japan liegt diese nur bei 20.000$ (ca. 16.951€).

Chung glaubt nicht, dass japanische Arbeiter in der Lage sind, Gewerkschaften zu organisieren. Sie glaubt daran, dass die Studios Verantwortung übernehmen müssen. Dies gilt für die Zusammenarbeit wie Netflix.

Allerdings sieht Chung auch eine Hürde, da die Gespräche über Netflix Japan laufen. Weil man dort mit der Branche vertraut ist, könnte der Anbieter resistent sein. Das Prinzip des Marktes ist, dass die Kosten immer niedrig sind, wo es keine Knappheit gibt.

Nach ihrer Erfahrung ist die Forderung nach dem Dreifachen des Standardsatzes im Vergleich zum Einstiegsgehalt zu wenig. Auch einen pauschalen Satz zu akzeptieren, soll nicht hilfreich sein.

Joan Chung ist der Meinung, dass jede Szene, die man zum Zeichnen benötigt, bepreist werden sollte. Zum Beispiel mit 7.500 Yen (ca. 57€) für einen leichten Schnitt, 15.000 Yen (ca.115€ für einen mittleren Schnitt und 30.000-45.000 Yen (230-345€) für schwierige Schnitte.

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